Trialog: Mitsprache in der Sucht- und Drogenhilfe gemeinsam gestalten

Mit dem neuen Format „Trialog – Über Mitsprache reden“ hat der Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen im Herbst 2025 einen Raum geschaffen, in dem Fachkräfte, Angehörige sowie Menschen mit Konsum- oder Suchterfahrungen gemeinsam über Mitsprache in der Sucht- und Drogenhilfe reflektierten. Im Mittelpunkt stehen gemeinsames Lernen, Perspektivenvielfalt und die Frage, wie Partizipation in den Organisationen gestärkt werden kann.

Im Oktober 2025 starteten wir mit einem ersten intensiven Tag. Ein fachlicher Input, Kleingruppenarbeit undAustausch im Plenumlegten den Grundstein für die gemeinsame Arbeit. Zwei anschließende Reflexionstreffen boten Gelegenheit, Erfahrungen zu vertiefen, sich weiter auszutauschen und Feedback einzuholen. 

Im Februar 2026 wurde die Reihe mit einem weiteren Trialog-Tag und zwei anschließenden Reflexionstreffen fortgesetzt. Dieses Mal wurde konkret an drei Partizipationsformaten gearbeitet: 

  • Peerarbeit, 
  • Nutzer_innenbeteiligung bei öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen sowie 
  • die Etablierung eines regelmäßigen Trialogs in der Sucht- und Drogenhilfe. 

Diese Ansätze wurden hinsichtlich ihrer Bedeutung, ihrer Rahmenbedingungen und ihrer Umsetzbarkeit im Kontext der Wiener Sucht- und Drogenhilfe diskutiert. Auf dieser Grundlage sollen im nächsten Schritt konkrete Handlungsperspektiven entwickelt und geprüft werden, welche Formate weiterverfolgt und gegebenenfalls umgesetzt werden können. Darüber hinaus wurde die aktuell herausfordernde Budget- und Ressourcenlage im Trialog offen angesprochen. Zugleich bestand Einigkeit darin, dass es gerade jetzt wichtig ist, neue Wege der Mitsprache und Zusammenarbeit weiterzudenken.

 

Unsere Learnings

Die folgenden Learnings fassen zentrale Erkenntnisse aus der Durchführung zusammen und bieten Impulse für Organisationen, die ähnliche Formate planen oder (weiter)entwickeln möchten: 

1 Trialogische Zusammenarbeit gelingt.
Die Zusammenarbeit zwischen Fachkräften, Angehörigen und Menschen mit Konsum- oder Suchterfahrungen erwies sich als tragfähig und konstruktiv. Unterschiedliche Perspektiven konnten nebeneinanderstehen und produktiv miteinander verbunden werden. 

2 Partizipation durch Partizipation lernen.
Das trialogische Format selbst ist Lernraum für eine partizipative Haltung – auch für das Vorbereitungsteam, das sich im Prozess zunehmend partizipativer ausrichtet. 

3 Hohe Verbindlichkeit.
Insbesondere die beiden Gruppen der Nutzer_innen zeigten eine hohe Verbindlichkeit in der Teilnahme und Mitarbeit. 

4 Ziel und Richtung klar benennen.
Das Ziel der Veranstaltung muss für alle Beteiligten erkennbar sein und ist zentral für das Gelingen. Es bietet Orientierung, auch wenn das große Ziel noch schwammig ist. 

5 Struktur und Offenheit ausbalancieren.
Zwischen klarer Struktur (zur Sicherheit und Orientierung) und offenem Austausch besteht ein produktives Spannungsfeld, das bewusst gestaltet und reflektiert werden muss. 

6 Klare Moderation ist wesentlich.
Auch scheinbar Selbstverständliches sollte angeleitet und erklärt werden, um sicherzustellen, dass klar ist, was zu tun ist. 

7 System- und Erfahrungsexpertise verbinden.
Alle Beteiligten brachten Wissen über das System der Sucht- und Drogenhilfe mit. Zusätzlich gab es von Seite der Nutzer_innen – und zum Teil von Fachkräften – auch persönliche Erfahrungen mit Suchterkrankungen oder als Angehörige. 

8 Wissensstände angleichen.
Ein gemeinsamer Wissensstand zu Beginn fördert Verständigung und Beteiligung. Ein einführender Input zum Thema Partizipation erwies sich als sehr hilfreich, damit alle Beteiligten mit denselben Grundlagen in den Austausch gehen konnten. Dieser wurde von der Nutzer_innen-Gruppe besonders geschätzt. 

9 Gute Vorbereitung ist entscheidend.
Raum, Zeit und Thema müssen frühzeitig feststehen. Auch eine passende Verpflegung trägt wesentlich zur Atmosphäre bei – und diese ist zentral für gelingende Zusammenarbeit auf Augenhöhe. 

10 Ausreichend Vorlaufzeit einplanen.
Die Organisation erfordert Zeit. Fachkräfte sind oftmals bereits ressourcentechnisch ausgelastet und Einladungen sowie Abstimmungen binden zusätzliche Ressourcen. Auch die Einladung von Nutzer_innen braucht Vorlauf. 

11 Sprache und Einladung sorgfältig gestalten.
Einladungen sollten klar, verständlich und gleichzeitig niederschwellig formuliert sein. Es zeigte sich, dass Begriffe wie Mitsprache oder Beteiligung unterschiedlich gelesen werden können. 

12 Transparenz fördern.
Ein offener Umgang mit Informationen und Reflexionen schafft Vertrauen. Wissen gehört allen Beteiligten. 

13 Wertschätzung stärkt Beteiligung.
Die gemeinsame Arbeit wurde als respektvoll und anerkennend erlebt. Teilnehmende fühlten sich gehört und gesehen. 

14 Informelle Räume bewusst nutzen.
Auch die informellen Pausen- und Begegnungsräume wurden intensiv genutzt. Gespräche abseits des offiziellen Programms stärkten den Austausch. 

15 Faire Rahmenbedingungen schaffen.
Fachkräfte nehmen während der Arbeitszeit teil und Nutzer_innen erhalten Lebensmittelgutscheine als Aufwandsentschädigung. 

16 Übergreifendes Lernen ermöglichen.
Das Format zeigt, das gemeinsames Lernen über Organisationsgrenzen hinweg gelingen kann und unterschiedliche Perspektiven sehr bereichern. 

 

Ein besonderer Dank gilt, neben den Teilnehmer_innen, dem Vorbereitungsteam: Andrea Pilgerstorfer, Andreas Eilenstein, Barbara Trobej, Barbara Waidhofer und Renate Polak sowie Birgit Matzinger und Sonja Regen. 

Bei Fragen und Interesse am Thema:
birgit.matzinger@dachverband.at oder trialog@dachverband.at 

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