Beim dritten Salon Sozial des DWS am 8. September 2026 war die österreichische Behindertenanwältin Christine Steger zu Gast. Im Gespräch mit Natalia Postek standen zentrale Fragen rund um Inklusion, Gleichstellung und die aktuellen Herausforderungen der Sozialwirtschaft im Mittelpunkt.
Christine Steger betonte, dass Trägerorganisationen einerseits wichtige Orte gelebter Inklusion sind und als starke Stimme für die Rechte von Menschen mit Behinderungen auftreten. Andererseits verwies sie auf bestehende Barrieren, die durch historisch gewachsene Strukturen, unterschiedliche Finanzierungslogiken sowie mangelnder Durchlässigkeit zwischen Systemen entstehen.
Die bestehenden Zuständigkeitsgrenzen zwischen Bundesländern sowie zwischen verschiedenen Unterstützungsbereichen wie bspw. Behindertenhilfe, Pflege- und Betreuung, Bildung oder Kinder- und Jugendhilfe wurden kritisch beleuchtet. Diese erschweren oftmals individuelle und bedarfsgerechte Lösungen für Menschen die Unterstützungsleistungen benötigen. Steger sprach sich daher für stärker personenzentrierte Unterstützungsangebote, mehr Kooperation zwischen den Systemen sowie den Auf- und Ausbau von Case Management über die Lebensspanne hinweg aus. Zudem müssen Barrierefreie und inklusive Angebote in allen Bereichen selbstverständlich mitgedacht werden.
Abschließend richtete Christine Steger einen Appell an die Sozialwirtschaft: Gerade in Zeiten von Budgetdruck und Fachkräftemangel brauche es Solidarität, Mut und ein klares Bekenntnis zu menschenrechtlichen Standards. Die erreichten Fortschritte in Richtung Inklusion und Teilhabe dürften nicht als selbstverständlich betrachtet werden, sondern müssten weiterhin aktiv verteidigt und weiterentwickelt werden.
Der anschließende persönliche Austausch bot den Teilnehmer_innen Gelegenheit, die angesprochenen Themen zu vertiefen und zu diskutieren.

