Nachlese: Salon Sozial mit Judith Kohlenberger | 10.3.2026

Am 10. März 2026 ging der Auftakt der neuen DWS-Veranstaltungsreihe „Salon Sozial“ über die Bühne. Der Salon Sozial bringt Geschäftsführer_innen und leitende Kolleg_innen aus über 100 Wienr Sozialorganistionen zusammen, um zentrale gesellschaftspolitische Fragen gemeinsam zu diskutieren. Ziel ist es, neue Perspektiven zu eröffnen, den Dialog zwischen Praxis und Theorie zu stärken un Impulse für strategisches Denken und sozialpolitische Weiterentwicklung zu setzen.

(c) DWS

„Wer gehört dazu?“ – Zugehörigkeit und die Zukunft sozialer Teilhabe

PD Dr.in Judith Kohlenberger ist Soziologin und leitet das Forschungsinstitut für Migrations- und Fluchtforschung und -management (FORM) an der WU Wien. Sie ist Senior Researcher am Österreichischen Institut für Internationale Politik und Mitglied des Integrationsrats der Stadt Wien. Für ihre Arbeit wurde sie u. a. mit dem Kurt-Rothschild-Preis und dem Anas-Schakfeh-Preis ausgezeichnet. Ihre wissenschaftliche Arbeit und gesellschaftspolitischen Beiträge sind für die Wiener Sozialwirtschaft von besonderer Relevanz.

Impulsvortrag Judith Kohlenberger

Zum Auftakt spürte Judith Kohlenberger folgenden Fragen nach:

  • Wie entsteht ein „Wir-Gefühl“?
  • Welche Mechanismen fördern die Differenz zwischen dem Wir und den Anderen? Wie funktioniert „Othering“?
  • Wie wirkt das „Integrationsparadox“ im Diskurs zu geflüchteten Menschen, also dass die Figur des erfolgreichen, aufsteigenden Geflüchteten Status- und Verteilungsdebatten befeuert?
  • Welche Ansätze können der Spaltung entgegenwirken?

 

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Judith Kohlenberger präsentierte Ansätze aus der Forschung als „Wege zu einem größeren ‚Wir'“, zu denen die Organisationen der Wiener Sozialwirtschaft zahlreiche praktische Beispiele für Angebote und Begegnungsräume nannten. Hier wurde im Salon auf den partizipativen DWS-Prozess „Zukunft soziale Stadt“ im Jahr 2025  Bezug genommen. Dort wurden u.a. die Zukunftsfelder „Freiraum & Diskursraum“, „Zusammenhalt“ und „Demokratie & Partizipation“ näher beleuchtet und Hebel sowie konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet. Die von Kohlenberger empfohlenen Wege zu einem größeren „Wir“ sind:

  • Diversitätskompetenz und Ambiguitätstoleranz
  • Kontrolle und Kompetenz in unsicheren Zeiten
  • Allianzen bilden & Vielfalt als Chance
  • Empörungs- und Erregungsspirale durchbrechen, vom Digitalen ins Analoge
  • „Praktiken der Hoffnung“ (Martha Nussbaum): sinnstiftende Gemeinschaftserfahrungen

  

 

Beim Ausklang mit alkoholfreiem Proxy-Wein fand ein reger Austausch zu den Wegen zu einem größeren „Wir“ unter den Teilnehmenden statt sowie praxiswirksame interdisziplinäre Vernetzung.

Das Format: Was ist der Salon Sozial?

Die Wiener Sozialwirtschaft steht aktuell vor großen Herausforderungen: massive Einsparungen, komplexe Problemlagen und steigender gesellschaftlicher Druck prägen den Alltag vieler Organisationen. Gerade in dieser Situation gewinnt die Frage, welche Haltung eine soziale Stadt einnimmt, besondere Bedeutung.

Mit diesem Hintergrund startet der Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen die neue Veranstaltungsreihe Salon Sozial – ein Raum für Dialog, Reflexion und gemeinsame Weiterentwicklung.

Der Salon Sozial bietet Geschäftsführerinnen und leitenden Kolleginnen aus über 100 Wiener Sozialorganisationen die Möglichkeit, sich zu zentralen gesellschaftspolitischen Fragestellungen auszutauschen. Ziel der Reihe ist es:

  • neue Perspektiven zu eröffnen,
  • den Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft zu fördern,
  • Impulse für strategisches Denken und sozialpolitische Weiterentwicklung zu setzen.

Das Format im Überblick:

  • Datum: Dienstag, 10. März 2026
  • Beginn: 16:00 Uhr – Begrüßung und Impulsvortrag
  • Anschließend: bis 17:00 Uhr gemeinsamer Diskurs und Austausch
  • Ausklang bis 17:30 Uhr bei Getränken und Gesprächen
  • Ort: Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen, Seidengasse 9, 1070 Wien
  • Exklusive Veranstaltung für DWS-Mitgliedsorganisationen und Partner_innen.

Weitere Termine des Salon Sozial

  • 16.06.2026 – Barbara Blaha: Sozialstaat unter Druck? – Verteilung, Verantwortung und die Rolle der Sozialwirtschaft
  • 08.09.2026 – Christine Steger: Die Rolle der Sozialwirtschaft in der Stärkung von Teilhabe und Gleichstellung
  • 24.11.2026 – Gabu Heindl: Wem gehört die Stadt? – Räume für soziale Teilhabe und Gerechtigkeit

 

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