Im Rahmen des Prozesses Pflege.Zukunft.Wien haben wir uns in den letzten Monaten fokussiert der Frage gewidmet: Was möchte und braucht junge Pflege? Damit meinen wir Pflegeassistent_innen, Pflegefachassistent_innen und Mitarbeiter_innen des gehobenen Dienstes die seit weniger als 10 Jahren im Beruf sind. Aus Studien und Fachliteratur wissen wir, dass mit dieser neuen Generation auch neue Bedürfnisse und Lebenspläne in die Mitgliedsorganisationen kommen, die sich in manchen Bereichen deutlich von den Wünschen der schon länger aktiven Kolleg_innen unterscheiden. Uns ist es wichtig zu betonen, dass wir hier keine Gegensätze oder gar ein Gegeneinander sehen, sondern eine Erweiterung und Diversifikation dessen wie wir die Mitarbeiter_innen verstehen. Die Gestaltung einer zukunftsfähigen Pflegebranche erfordert gezielte Anstrengungen, um die Bedürfnisse und Erwartungen verschiedener Generationen gleichermaßen zu berücksichtigen und wertzuschätzen. Unterschiedliche Altersgruppen bringen jeweils eigene Erfahrungen, Werte und Vorstellungen in den Berufsalltag ein. Damit ein konstruktives und produktives Miteinander gelingt, ist es notwendig, generationenspezifische Anliegen ernst zu nehmen und in die Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen einzubeziehen. Nur so kann ein Arbeitsumfeld entstehen, das für alle Beteiligten tragfähig und motivierend ist.
Aktuelle Jugendstudien bestätigen: Rund ein Fünftel der Jugendlichen in Österreich kann sich eine Tätigkeit in der Pflege vorstellen. Gleichzeitig nehmen junge Menschen den Fachkräftemangel, die alternde Bevölkerung und soziale Ungleichheiten sehr bewusst wahr und fordern bessere Arbeitsbedingungen sowie mehr Ausbildungs- und Einstiegsmöglichkeiten. Die Generation Z (geboren ca. 1997–2012) und die nachfolgende Generation Alpha wachsen in einer digitalisierten, globalisierten und von Unsicherheiten geprägten Welt auf. Sie sind die ersten echten „Digital Natives“, für die der Umgang mit digitalen Technologien selbstverständlich ist. In der Berufswahl spielen Sinnhaftigkeit, gesellschaftlicher Beitrag, Nachhaltigkeit und Diversität eine zentrale Rolle. Junge Pflegekräfte erwarten flexible Arbeitszeitmodelle, eine gute Work-Life-Balance, flache Hierarchien und die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen und weiterzuentwickeln. [vpuonline.de], [aufundumbruch.de] [cwc-recruitment.com], [pflegekammer-rlp.de]
Mentale Gesundheit, ein wertschätzendes Arbeitsumfeld und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben sind für diese Generationen besonders wichtig. Sie wünschen sich Feedback, transparente Kommunikation und echte Mitgestaltungsmöglichkeiten. Gleichzeitig sind sie weniger bereit, unter schlechten Bedingungen zu arbeiten oder sich langfristig an einen Arbeitgeber zu binden.
Um, ergänzend zu allgemeinen Studien, ein konkretes Bild davon zu bekommen, was die neue Mitarbeiter_innen in der Pflege hier in Wien beschäftigten, haben wir zu einer Online-Umfrage eingeladen. Wir freuen uns sehr, dass mehrere hundert Kolleg_innen dieser Einladung gefolgt sind, und sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen eingebracht haben. Um einige der aufgebrachten Ideen detaillierter Besprechen zu können, haben 20 Teilnehmer_innen zu einem Open Space Workshop zu uns in den Dachverband Wiener Sozialeinrichtungen eingeladen. In einem professionellen und engagierten Austausch konnten wir das Bild aus der Umfrage damit abrunden.
Die Pflegebranche befindet sich in einem kontinuierlichen Wandel, der insbesondere durch die jüngeren Generationen geprägt wird. Junge Menschen, die heute in den Pflegeberuf einsteigen oder diesen anstreben, bringen neue Werte, Erwartungen und Kompetenzen mit, die das Berufsbild nachhaltig beeinflussen. Die Ergebnisse der Umfrage „Junge Pflege“ und die Diskussionen im Open Space verdeutlichen, dass sich die Vorstellungen der Generationen Z und Alpha in einigen Punkten von traditionellen Berufsbildern unterscheiden. Gleichzeitig zeigen aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen, dass diese Veränderungen Teil eines breiteren gesellschaftlichen Trends sind.
Ergebnisse der Umfrage „Junge Pflege“
Die Umfrage richtete sich an Pflegeassistent_innen, Pflegefachassistent_innen und Mitarbeiter_innen des gehobenen Dienstes, die seit weniger als zehn Jahren im Beruf sind. Insgesamt wurden 430 gültige Interviews ausgewertet. Die Teilnehmenden verteilen sich auf verschiedene Settings wie mobile Pflege, stationäre Einrichtungen, Tageszentren und Behindertenarbeit. Die Mehrheit ist weiblich und zwischen 21 und 40 Jahre alt.
Die wichtigsten Motive für die Berufswahl und das aktuelle Setting sind die Freude an der Arbeit mit Menschen, insbesondere älteren Personen, sowie die Wahrnehmung des Berufs als krisensicher und zukunftsträchtig. Die Umfrageergebnisse zeigen, dass junge Pflegekräfte insbesondere die Zusammenarbeit im Team, die Unterstützung durch Kolleg_innen und Vorgesetzte sowie die Möglichkeit zu eigenverantwortlichem Arbeiten als bereichernd empfinden. Gleichzeitig äußern sie den Wunsch nach mehr Flexibilität, einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und einer stärkeren Einbindung in Entscheidungsprozesse. Diese Erwartungen stehen im Einklang mit den Erkenntnissen aus der Forschung, die der Generation Z eine hohe Affinität zu digitalen Technologien, flachen Hierarchien und flexiblen Arbeitsmodellen zuschreibt.

Als Herausforderungen werden vor allem Personalmangel, hohe Arbeitsbelastung und ein Gefühl der Überforderung genannt. Die Vielzahl an Dokumentationspflichten und die mangelnde Planbarkeit der Dienste werden als belastend empfunden. Viele wünschen sich konkrete Verbesserungen der Arbeitsbedingungen, etwa ein angemessenes Gehalt, moderne Arbeitsmittel und ausreichend Personal. Die Möglichkeit, sich auf die eigentliche Pflege konzentrieren zu können, statt durch Nebentätigkeiten und Bürokratie ausgebremst zu werden, wird als besonders wichtig hervorgehoben. Die Befragten möchten, dass ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge ernst genommen und in die Weiterentwicklung der Branche einbezogen werden.

Ergebnisse des Open Space
Im Rahmen des Open Space wurden die Ergebnisse der Umfrage vertieft und Zukunftsbilder für die Pflegebranche diskutiert. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, ihre Anliegen und Ideen in einem offenen Format einzubringen und gemeinsam zu reflektieren. Ein zentrales Thema war das Generationenmanagement: Junge Pflegekräfte wünschen sich, dass ihre Anliegen ernst genommen und mit den Erfahrungen älterer Kolleg_innen verbunden werden. Der Austausch zwischen den Generationen wird als Chance gesehen, voneinander zu lernen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.

Die Diskussionen im Open Space zeigten, dass die Integration digitaler Technologien, neue Formen der Zusammenarbeit und die Förderung von Diversität und Inklusion von der jungen Generation aktiv eingebracht werden. Die Teilnehmenden betonten, dass die Pflege ein attraktiver Beruf sein kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen und die Anliegen aller Generationen berücksichtigt werden. Es wurde deutlich, dass die junge Generation bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft der Pflege aktiv mitzugestalten, sofern sie die Möglichkeit zur Mitwirkung erhält.
Verbindung zu externen Erkenntnissen
Die Erwartungen und Wünsche, die in Umfrage und Open Space geäußert wurden, stehen im Einklang mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen zur Generation Z und Alpha. Studien zeigen, dass diese Generationen ein starkes Bedürfnis nach Sinnhaftigkeit, Partizipation und Mitbestimmung haben. Sie legen Wert auf ein unterstützendes und wertschätzendes Arbeitsumfeld, flexible Arbeitsmodelle und die Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung. Gleichzeitig sind sie sich der Herausforderungen der Branche bewusst und wünschen sich nachhaltige Lösungen, die über kurzfristige Maßnahmen hinausgehen. Innovative Ansätze wie digitale Dokumentationssysteme, flexible Arbeitszeitmodelle, Mentoring-Programme und die Förderung von Diversität und Inklusion wurden als zentrale Zukunftsthemen identifiziert. Best-Practice-Beispiele aus dem In- und Ausland zeigen, dass gezielte Nachwuchsförderung, digital unterstützte Praxis und die Stärkung pflegerischer Verantwortung zu einer höheren Arbeitszufriedenheit und besseren Versorgung beitragen können.
Handlungsempfehlungen und Ausblick
Um die Pflege zukunftsfähig zu machen und junge Menschen für den Beruf zu begeistern, braucht es ein Bündel an Maßnahmen:
- Attraktive Arbeitsbedingungen und faire Bezahlung
- Flexible Arbeitszeitmodelle und digitale Tools im Alltag
- Wertschätzung, Mitsprache und transparente Kommunikation
- Praxisnahe, innovative Ausbildungsformate und gezielte Nachwuchsförderung
- Generationenübergreifende Zusammenarbeit und Mentoring
- Gesellschaftliche Anerkennung und Imagekampagnen
- Nachhaltige Finanzierung und politische Unterstützung
Die Ergebnisse der Umfrage, des Open Space und aktueller Studien zeigen: Die junge Generation bringt neue Kompetenzen, hohe Motivation und frische Ideen in die Pflege. Sie ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und die Zukunft aktiv mitzugestalten – wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Es liegt nun an Politik, Gesellschaft und Arbeitgebern, diese Impulse aufzugreifen und gemeinsam an einer Pflege zu arbeiten, die den Anforderungen einer vielfältigen und sich wandelnden Gesellschaft gerecht wird.
(Text und Grafiken tw. mit Unterstützung von MS-CoPilot erstellt.)